Neue Bhne Bruck
Fürstenfeldbrucker Tagblatt, 24.11.2017

Zwei Möchtegern-Gangster zum Totlachen

Wenn Manni und Chantal zum Banküberfall ausrücken – nein, dann macht man sich keine Sorgen um die Bank, sondern um das Gangster-Pärchen.

Fürstenfeldbruck – Was wird bloß diesmal wieder schiefgehen? Werden die beiden jemals an das ersehnte große Geld kommen, um nach „Los“ Vegas abzuhauen? Die Antwort liefert die Neue Bühne Bruck (NBB) mit der Komödie „Zwei wie Bonnie und Clyde“ von Tom Müller und Sabine Misiorny – totlachen ausdrücklich erlaubt.

Manni (Alexander Schmiedel) ist ein Möchtegern-Ganove aus der Provinz, Chantal (Christina Schmiedel) seine naive, aber bauernschlaue Verbündete. Nach einem nicht ganz geglückten Banküberfall finden die beiden Unterschlupf in einem verlassenen Schuhlager. Während Chantal nur mit Mühe die Finger von all den verheißungsvollen Schuhkartons lassen kann, schmiedet Manni bereits Pläne für weitere Überfallversuche – und schon bald jagt ein Schlamassel das nächste.
Denn Chantal ist, nun ja, nicht gerade der hellste Stern am Nachthimmel. Sie nimmt die Dinge gern allzu wörtlich – oder bringt im entscheidenden Moment alles durcheinander. Rechts und links zum Beispiel, oder reißfeste und blickdichte Strumpfhosen. All die Slaptstick-Momente, Missverständnisse und Pannen machen das 75-Minuten-Stück zu einem fast schon illegalen Anschlag auf die Lachmuskeln.

Alexander und Tina Schmiedel spielen ihre Figuren mit Gusto – sie mit schriller Stimme, einem Hauch Berliner Dialekt, Rüschenröckchen und Cowboystiefeln, er mit dem Habitus eines Gangsterkönigs. Geschickt gelingt es Regisseur Harald Molocher, das Ganze zuletzt noch in eine Liebesgeschichte zu drehen.
Die zeitlose Gauner-Komödie, die bar jeder Doppelbödigkeit einfach nur Spaß machen will, ist keine typische NBB-Kost. Doch Molocher und die Schmiedels hatten große Lust auf ein gemeinsames Projekt. „Die beiden wollten gerne mal zusammen auf der Bühne stehen“, erzählt der Regisseur und NBB-Intendant. Da das Schaupspieler-Ehepaar aber drei kleine Kinder hat, war es gar nicht so einfach, genug Zeit und Freiraum für die Vorbereitungen zu finden. „Wir haben die ersten Wochen bei ihnen im Keller geprobt.“ Mit dem Stück habe er sich allerdings erst anfreunden müssen, erzählt Molocher.
Denn „Zwei wie Bonnie und Clyde“ ist eine ganz andere Art von Komödie als das seit Wochen sehr erfolgreich laufende „Shoppen“. Dort konnte der Regisseur in der Kunst der Charakterzeichnung brillieren, hier hat er es mit Figuren zu tun, die keinen Tiefgang haben – aber dafür höchste Komik garantieren.
Ulrike Osman



Brucker SZ, 26.11.2017

Immer mit dem Finger am Abzug

Die Neue Bühne inszeniert das unterhaltsame Theaterstück "Zwei wie Bonnie und Clyde". Der Protagonist Manni stellt sich darin ein ums andere Mal ziemlich dämlich an. Und seine Komplizin Chantal outet sich als Schuhfetischistin.

Weibliche Begeisterung für Schuhe? Das ist nichts Neues. Erstaunlich ist nur, dass ein Berg Schuhkartons an diesem Theaterabend der "Neuen Bühne Bruck" offenbart, wie dramaturgisch wertvoll Schuhschachteln sein können. Das Stück "Zwei wie Bonnie und Clyde" nimmt Anleihe an das berüchtigte amerikanische Gangsterpaar Anfang der Dreißigerjahre. Auch Manni und Chantal wollen ans große Geld. Chantal will nach einem Bankraub in "Los Vegas", wie sie verlangt, von ihrem Manni geheiratet werden. Doch bis Vegas kommt das Pärchen nicht, scheitert es doch schon allzu kläglich an der Geldbeschaffung.
Der Möchtegerngauner Manni (Alexander Schmiedel) verehrt das berühmte Gaunerpärchen und erklärt recht selbstbewusst sich und seine Chantal (Christina Schmiedel) zu deren Nachfolgern. Die Liebste macht vor allem mit, weil sie hofft, mit fetter Beute "Clyde" endlich heiraten zu können. Doch der männliche Protagonist setzt seine Gefährtin bei den Banküberfällen wider aller Vernunft immer wieder als Mittäterin ein. Und die Heldin, eine Berliner Göre ohne kriminelle Energie, nimmt Anweisungen grundsätzlich so wörtlich, dass sie ins Gegenteil umschlagen. Chantal hängt an den Lippen von Manni. "Wees ick" und "Dit is jut", sind ihre Lieblingsantworten, und der Besucher ahnt schon, dass sie trotzdem immer wieder alles verkehrt machen wird. So stehen noch gegen Ende des Stückes die zwei im Visier der Polizei, doch ohne jede Beute. Doch Achtung, so treudoof, wie sie oft erscheint, ist die Schuh-Begeisterte Bonnie dann doch nicht.
Das Zweipersonenstück ist ein harmloser Spaß. Das Darstellerpaar sorgt mit witzigen Dialogen, frechen Sprüchen, flotten Klappsätzen und sympathischen Bösewicht-Aktionen für allzeit gute Laune im Publikum. Die Regie von Harald Molocher, Bühnenbild und Protagonisten - alles aus einem Guss. Sauber erarbeitet, Pausen und Blicke gut gesetzt, leicht, spannend und kurzweilig, ohne dass je auf den Putz gehauen oder Lacher erzwungen werden. Ein durch und durch erfreulicher Theaterabend, den die Akteure unter erschwerten Bedingungen absolvieren müssen: Wenn einem Besucher nach einer halben Stunde schlecht wird, er umkippt und der Notarzt kommen muss, ist das auch für ein Theater und vor allem für die Schauspieler so etwas wie ein Ausnahmezustand. Der ältere Besucher rappelt sich schnell wieder auf und wartete auf den Rettungsdienst. Und die beiden Schauspieler meistern diesen Zwischenfall mit Bravour. Nach 25 Minuten wird die Vorstellung fortgesetzt. Das Ehepaar Schmiedel schafft es, das Publikum bei der Stange zu halten und die Stimmung aufrecht zu erhalten. Einmal mehr bewahrheitet sich die Furcht der Schauspieler vor der zweiten Vorstellung, bei der sie - meistens zu Unrecht - befürchten, dass etwas Unvorhergesehenes passiert.
Das höchst sympathische Stück der Autoren Tom Müller und Sabine Misiorny hat ein paar kleine Schwächen, die ein "Script Doctor" wohl behoben hätte: Dass eine Menschenmenge das Auto der flüchtigen Bankräuber, die mal wieder nichts rauben konnten, umringt, ohne dass sich jemand die Autonummer merkt, ist merkwürdig. Wenn andererseits der Nachrichtensprecher im Radio verkündet, dass die "Pozilei, äh, Polizei" hinter den beiden her sei, wird man daran erinnert, dass es sich hier einfach nur um ein schönes Märchen handelt - und deshalb nimmt man es nicht so genau, wenn die freche, anschmiegsame, begriffsstutzige und sehr verliebte "Bonnie" ausgerechnet im Tutu-Rock zu Banküberfällen antritt. Die Schlusspointe des Stückes folgt eher dem traditionellen Rollenbild. Hätte die Inszenierung eine Minute früher geendet, wäre sie also - frei von jedem "Treudoof"-Frauenbild - noch geistreicher geraten.
Karl-Wilhelm Götte

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