Neue Bühne Bruck
Die Firma dankt
von Lutz Hübner
(Premiere: Februar 2016)

Die Firma wurde übernommen, die leitenden Angestellten sind alle entlassen. Bis auf Adam Krusenstern, Leiter der Abteilung Entwicklung. Den hat die neue Geschäftsführung zu einem Wochenende ins Gästehaus der Firma eingeladen. Warum, kann oder will ihm niemand sagen. Krusenstern weiß nicht, wie er sich verhalten soll. Die Fürsorglichkeit der ihn umsorgenden Assistentin irritiert ihn ebenso wie die Begegnung mit dem schnöseligen Personalchef und der verständnisvollen Personaltrainerin, und das unkonventionell-lässige Auftreten des Hochschul-Absolventen Sandor bringt ihn restlos auf die Palme.

Leistung, Loyalität, klare Strukturen, das sind Krusensterns Prinzipien, doch hier scheinen sie nicht gefragt. Soll er abwarten? Etwas organisieren? Verspielt er seinen Job durch mangelnde Flexibilität oder fehlende Teamfähigkeit? Wer unter den Anwesenden ist wirklich sein Gegner? Hat er überhaupt einen, oder ist das Spiel schon aus?

Ein amüsant-erschreckendes Psychospiel aus der schönen neuen Arbeitswelt - skurril und doch schon längst real.

mit Kerstin Krefft, Patrick Meier, Alexander Schmiedel, Julia Ströhle und Michael Vögele

Regie: Ensemble

Assistenz: Judith Gebele

Dauer: ca. 90 Minuten

Bühnenfotos: Klaus Schraeder



Fürstenfeldbrucker SZ, 29.02.2016

Im Strudel der modernen Arbeitswelt

Der Neuen Bühne Bruck gelingt mit "Die Firma dankt" von Lutz Hübner eine überzeugende Inszenierung. Sie erzählt die Geschichte eines langjährigen Angestellten, der nach einer Betriebsübernahme völlig überfordert ist.

(...) Skurril und komisch erzählt das Stück "Die Firma dankt", das am Freitag seine Premiere feierte, von der neuen Arbeitswelt, in der traditionelle Prinzipien wie Leistung, Loyalität und klare Strukturen nicht mehr gefragt sind. Eine schnörkellose Alltagssprache macht es für Jedermann verständlich und zugleich sorgt der unaufdringliche Humor für Vergnügen. Es ist ein rundum gelungenes Stück, das Lutz Hübner da geschrieben hat. Amüsiert und zugleich erschrocken fiebert man mit, als Herr Krusenstern gefangen scheint in seinem Albtraum.
Doch das Stück wäre nicht, was es ist, ohne die herausragenden Schauspieler, die das Drehbuch von Hübner ohne Hilfe eines Regisseurs inszenieren. Die fünf sehr erfahrenen Darsteller waren aus privaten Gründen zeitlich zu unflexibel, um wie üblich fünf Wochen am Stück mit einem Regisseur zu proben und nahmen die Aufgabe des Kritisierens und Korrigierens selbst in die Hand. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Sicher und professionell erweckt jeder Einzelne seine Rolle zum Leben, verschmilzt sogar so sehr mit den realitätsnahen Charakteren, so dass man als Zuschauer auch nach dem Applaus das Gefühl hat John, Ella, Susi, Sandor und Krusenstern vor sich stehen zu haben.
Schnell schreitet die Handlung voran. Das minimalistische und beinahe farblose Bühnenbild, bestehend aus einem Sofa und fünf Hockern, lenkt den Fokus auf die Schauspieler. Klar und prägnant sind die Charaktere gezeichnet, jeder Einzelne von ihnen besticht durch seine ganz eigene Persönlichkeit: Der schnöselige Personalchef John (Michael Vögele), die einfühlsame Personaltrainerin Ella (Kerstin Krefft), der innovationsfreudige junge Sandor (Patrick Meier), die fürsorgliche Assistentin Susi (Julia Ströhle) und der verklemmte Krusenstern (Alexander Schmiedel).(...)

Helena Schachtschabel



Fürstenfeldbrucker Tagblatt, 02.03.2016

Bühne frei für Frust in der modernen Arbeitswelt

Adam Krusenstern ist ein Abteilungsleiter vom alten Schlag. Einer, der auf Stühlen an Tischen sitzt, Besprechungen einberuft und Protokolle führen lässt. Einer, der auf Diskretion und gute Manieren Wert legt, auf Leistung und klare Strukturen.

Und der ganz fürchterlich ins Schwimmen gerät, wenn das alles wegbricht. In „Die Firma dankt“ von Lutz Hübner, dem aktuellen Stück der Neuen Bühne Bruck (NBB), spielt Alexander Schmiedel diesen Adam Krusenstern großartig – mit allen Facetten von linkisch bis zornig.
Die Firma hat eine neue Leitung. Alles wird umgekrempelt, die alte Garde fliegt raus. Einzig Adam Krusenstern hat das Stellen-Massaker bislang überlebt, er wird sogar übers Wochenende ins Gästehaus der Firma eingeladen – ohne zu wissen warum. In der neuen Firmenkultur fühlt sich Krusenstern wie auf einem anderen Planeten. Die Aliens, die darauf herumlaufen, sind der arrogante Personalchef John (Michael Vögele), die mitfühlende Personaltrainerin Ella (Kerstin Krefft), das fleischgewordene Sekretärinnen-Klischee Susi (Julia Ströhle) und der zunächst undurchsichtige Sandor (Patrick Meier), ein Überflieger mit zu wenig Herz und zu viel Verstand.
Sie tragen legere Klamotten statt dunkler Anzüge, werfen mit Anglizismen um sich und wollen den Firmenerfolg nicht durch solide Arbeit, sondern durch taktische Tricksereien sicherstellen. Milde amüsiert beobachten die Vier, wie sich Krusenstern an ihnen abarbeitet, obwohl er längst hoffnungslos im Hintertreffen ist. Nirgends wird das schöner deutlich als in der Tanz-Szene, in der sich die Vier sicher zu einer Choreographie bewegen, während Krusenstern im Hintergrund ungeschickt mitzumachen versucht.

Lutz Hübners Stück ist konventionell im besten Sinne. Er gibt seinen Zuschauern weder Rätsel auf, noch lässt er sie durch verschiedene Deutungsebenen irren. Das überdimensionale Sofa auf der Bühne ist in Sachen Symbolik das höchste der Gefühle – die neue Welt ist eine Nummer zu groß für Krusenstern.

Inszeniert wurde das Stück von den Darstellern selbst. Sie alle sind sind in Arbeit, Studium oder Familie eingebunden und konnten deshalb nicht, wie sonst üblich, fünf Wochen am Stück proben. Stattdessen arbeiteten sie über Monate hinweg einmal pro Woche an der Inszenierung, unterstützt von Regieassistentin Judith Gebele. Zusätzlichen Input gab es von drei NBB-Hausregisseuren, die je einmal vorbeischauten. „Ein Risiko“, wie die Bühne einräumt. Doch eines, das sich gelohnt hat. „Die Firma dankt“ bietet eineinhalb unterhaltsame Nachhilfestunden in Sachen neoliberale Arbeitswelt. Das Publikum dankt.

Ulrike Osman

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