Neue Bhne Bruck
Romeo und Julia
von William Shakespeare
(Premiere: Oktober 2011)

Zwei Häuser, beide gleich an hohem Stand.
Verona, Szene ihrer alten Wut.
Aus schwelender Glut zündet neuer Brand,
Der Menschenhand befleckt mit Menschenblut.
Der alte Haß pflanzt sich in Kindern fort,
Vom Sterndurchkreuzt verliebt sich Haßgezweit,
In Eins. Liebt Feindeskind das Kind am Ort,
Des Feinds. Glück heißt sterben!
Wie endlich, erst gestillt vom Kindergrab,
Befriedigt wird der alte Durst auf Krieg,
Soll Handlung sein, zwei Stunden hier im Haus…

mit Lisa Drothler, Sabine Hannig, Jan Klopfer, Dana Neumärker, Johanna Plappert, Valerie Rall, Kathrin Schiermeier, Anna Schmidt, Patrick Schmidt, Vinzenz Schroeder, Matthias Schüll, Maximilian Stangl, David Stieger, Hagen Ullmann, Laura Weindl, Claudia Ziebolz

Regie: Philipp Jescheck

Assistenz: Elena Bedtke/Patrick Schmidt

Bühnenfotos: Herbert Thiess



Fürstenfeldbrucker Tagblatt vom 26.10.2011:

Perfekter Spagat zwischen Witz und Drama

Mit einer ungewöhnlichen Inszenierung haucht die Neue Bühne Bruck Shakespeares Tragödie Leben ein

Liebe, Hass und Tod - wer kennt sie nicht, die dramatische Geschichte von Shakespeares "Romeo und Julia". Und wie oft ist dieses vermutlich 1596 geschriebene Stück schon in die Moderne transferiert worden. Nun hat es die Neue Bühne Bruck versucht - und etwas vollkommen Ungewöhnliches geschaffen. Verdient gab es nach der Premiere begeisterten Applaus.
Die Bühne ist eine schwarze Fläche, Platz genug für heftige Auseinandersetzungen. "Zwei Häuser, beide gleich an Ansehen, entfachen neuen Streit aus altem Hass" - Pater Lorenzo (Matthias Schüll) erzählt aus seiner Qual heraus die Geschichte in Rückblenden, ohne jedoch allzu sehr im Fokus zu stehen. Es nebelt und geht auch gleich ordentlich zur Sache. Die Jugendlichen aus den Häusern Montague und Capulet kloppen sich ordentlich, bevor etwas Unerwartetes passiert: Das Stück wird witzig - aber nur soviel, wie es eine Tragödie vertragen kann.
EIn charmanter Romeo (Hagen Ullmann) steht mit der Gitarre auf der Bühne und gibt sich "der Liebe, einem perfekten Wahn" hin. Mit unerwarteten Musikeinlagen und lustigen Ideen - die giftigen Blumen wachsen aus dem Bühnenboden - bekommt das Stück einen vollkommen neuen Touch. Das Publikum wird eingeladen, herzhaft zu lachen, auch wenn es den Fortgang des Dramas nur allzu gut kennt. Ein gelungener Spagat wird von der ersten bis zur letzten Minute gehalten.
Sprachlich ist die Inszenierung eine interessante Mischung aus Original und Jugendsprache. Sie greift erstaunlicherweise fließend ineinander, ohne störende Brüche zu produzieren, ohne auch das Lyrische zu verlieren.
Dass das Ensemble aus noch zur Schule gehenden Nachwuchsakteuren besteht, ist gewagt. Sicher gab es an manchen Stellen die eine oder andere Unsicherheit. Doch genau das macht das Stück, das ins Irreale verfrachtet wurde, letztendlich glaubwürdig und ungeheuer charmant. Welch ein Engagement, das Anna Schmidt in ihre Hosenrolle als Mercutio legt, um Romeo von seiner wahnwitzigen Idee abzubringen. Maximilian Stangl gibt einen ganz wunderbaren, aggressiven Tybalt, der auch, als er schon von Romeo ermordet ist, das Stück aus dem Hintergrund begleitet. Sehr überzeugend wird auch die leidenschaftliche Liebesnacht gespielt. Sabine Hannig als Amme der süßen Julia (Johanna Plappert) stöckelt ewig hilflos im Problem herum - auch hier wieder der Spagat zwischen Witz und Dramatik. Und am Ende denkt man doch tatsächlich, man habe das Stück jetzt irgendwie zum ersten Mal gesehen.
Ruth Gemeinhardt



Fürstenfeldbrucker SZ vom 27.10.2011:

Muss Liebe schön sein

Philipp Jeschecks großartige Inszenierung der Shakespeare-Tragödie "Romeo und Julia" an der Neuen Bühne Bruck

(...)Mit der Shakespeare-Tragödie "Romeo und Julia", die am vergangenen Freitag Premiere hatte, ist der Neuen Bühne ein großer Wurf gelungen.
Das wiederum ist umso erstaunlicher, da mehr als die Hälfte der jungen Darsteller, die sich da auf der Bühne versammelt haben, noch zur Schule geht und so gut wie keine Bühnenerfahrung mitbringt. Vermutlich ist es aber genau die Unbekümmertheit und die pure Lust am Theaterspielen, mit der sich die jungen Leute ans Werk gemacht haben, und die das Stück zu einem formidablen Feierabendvergnügen werden lassen. Die Inszenierung des Münchner Regisseurs Philipp Jescheck kommt jedenfalls so frech, authentisch und unverbraucht daher, dass man fast meinen möchte, Shakespeare habe das Stück nicht vor mehr als 400 Jahren, sondern gerade eben erst geschrieben. Dabei ist Jescheck mitnichten so dreist, den Klassiker in seine Einzelteile zu zerlegen und diese dann bis Unkenntlichkeit miteinander zu verschwurbeln. Ganz im Gegenteil: Jescheck, der unter anderem am Münchner Volkstheater gearbeitet und dessen Intendanten Christian Stückl im Sommer beim "Jedermann" in Salzburg assistiert hat, pflegt erkennbar einen äußerst behutsamen Umgang mit dem bekanntesten Liebesdrama, das die Weltliteratur zu bieten hat.(...)
Das Stück in der Neuen Bühne lebt ganz stark von seinen Protagonisten, denen es an schauspielerischem Talent ganz bestimmt nicht mangelt. Hagen Ullmann und Johanna Plappert, beide (...) Schüler am Graf-Rasso-Gymnasium, spielen das Liebespaar Romeo und Julia ganz so, als wären sie auch im wirklichen Leben bis über beide Ohren verliebt. Anna Schmidt und Lisa Drothler überzeugen in Hosenrollen als Mercutio und Paris, Patrick Schmidt und Maximilian Stangl als Benvolio und Tybalt. Vom Stammpersonal der Neuen Bühne ist Matthias Schüll dabei, der den Pater Lorenzo als eine an sich selbst zweifelnde Figur spielt, die dem fortdauernden Hass zwischen den zur Versöhnung unfähigen Clans der Capulets und der Montagues nichts mehr entgegenzusetzen weiß und sich mitschuldig fühlt am Tod von Romeo und Julia. Und dann gibt es da auch noch Sabine Hannig als Amme Julias im engen Schlauchkleid und waffenscheinpflichtigen High Heels. Ihr Tanz mit einem Wischmob ist - gelinde gesagt - eine Sensation.
Peter Schelling

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