Neue Bhne Bruck
Bonnie und Clyde
(Premiere: Januar 2011)

Dies ist die Geschichte von Bonnie Parker und Clyde Chestnut Barrow, die in den 1930er Jahren raubend und mordend durch Amerika zogen und dadurch zum Mythos wurden. Die Geschichte einer Legende, vom ersten Kennenlernen bis zum gemeinsamen Tod im Kugelhagel am 23. Mai 1934.

Es ist auch eine Geschichte von heute: von vier jungen Erwachsenen, die sich Bonnie und Clyde zum Vorbild nehmen und bei ihrer Rebellion gegen die Gesellschaft gefährliche Grenzen überschreiten.

Was kosten Freiheit und Selbstverwirklichung?
Wo hört der Protest auf, wo fängt das Unrecht an?
Und mit welcher Story lande ich in der BILD-Zeitung?

mit Joachim Aßfalg, Cornelia Kappenschneider, Christina Schmiedel und Maximilian Stangl

Regie: Philipp Jescheck

Musik: Andreas Harwath

Bühnenfotos: Christoph Hellings

Dauer: ca. 90 Minuten


Fürstenfeldbrucker Tagblatt vom 25.01.2011:

Rauben und Töten für eine bessere Welt
Eine mitreißende Inszenierung ist derzeit an der Neuen Bühne Bruck zu erleben. Das Stück "Bonnie und Clyde" unter der Regie von Philipp Jescheck begeisterte das Premierenpublikum.

Sexy, skrupellos und von den Massenmedien umschwärmt: So zieht das moderne Gangsterpaar, das sich als Bonnie und Clyde der heutigen Zeit sieht, gemeinsam mit zwei weiteren Bandenmitgliedern über die Neue Bühne Bruck. Es wird geraubt, geschossen und geflohen, es wird geliebt und gestorben. Neben all der Impulsivität und niederen Beweggründen geht es immer wieder um die Fragen, was der Staat darf, was man selbst tun muss und kann, und ob es eine Legitimation für Terror gibt.
Dabei tragen Filmeinspielungen, Musik und Gesang der vier jungen Darsteller zu einem großartigen Gesamterlebnis Theater bei.
Die Adaption des Themas "Bonnie und Clyde" der Neuen Bühne Bruck ist atemberaubend und absolut sehenswert. Das Gangsterpaar Bonnie Parker und Clyde Barrow, das während der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren im Südwesetn der USA Banken und Geschäfte ausraubte und dabei Polizisten erschoss, beeinflusst die Kunst bis heute. Mit ihrem Gedicht "The Story of Bonnie and Clyde", das damals in den Zeitungen erschien, trug Bonnie schon zu Lebzeiten zum romantischen Bild des ehrenvollen Gangsterlebens bei. Das wurde nicht zuletzt durch Arthur Penns oscarprämierten Film von 1967 mit Warren Beatty und Faye Dunaway untermauert. Und es war dieser Film, von dem im Stück eine Sequenz zu sehen ist, der für Regisseur Philipp Jescheck den Ausgangspunkt bildete. Ausschnitte aus dem Drehbuch des Films wurden "mit erfundenen Szenen in Form von Regieanweisungen kombiniert", erläutert er. Sie dienten als Grundlage für Improvisation, aus der Jescheck nach und nach eine Textgrundlage für das Stück entwickelte, das vor dem Hintergrund von Finanzkrise und globaler Terrorerfahrung im Heute von Fürstenfeldbruck spielt.
Glücklicherweise hat der Regisseur junge, spielfreudige und professionelle Schauspieler an der Hand, bei denen diese Vorgehensweise auf fruchtbaren Boden fiel. Maximilian Stangl spielt versiert den coolen, galanten Patrick, der sich als Clyde sieht, als er zufällig die kokette, blonde Kellnerin Liz (Christina Schmiedel) kennenlernt, die von ihm angezogen wird. Joachim Aßfalg mimt herrlich naiv und idealistisch Patricks Bruder Valentin, der mit seiner intellektuellen Freundin Johanna (Cornelia Kappenschneider) Pläne zur gerechten Umverteilung des Geldes schmiedet. Patrick und Liz überfallen spontan eine Bank, die Flucht beginnt. Obwohl ein Mensch stirbt, lieben die Medien die "Barrow-Bande", denn das Geld wird von Johanna per Post an die Bevölkerung verteilt. Es kommt, wie es kommen muss: "Das Gesetz gewinnt immer am Ende", sind Liz' letzte Worte.
Neben Kappenschneiders Klavierspiel und Gesang bewundert man besonders, wie gekonnt die Schauspieler die vielen Stimmungswechsel meistern. Ein aktuelles Stück, das in zeitgemäß-rasanter Form ein altes Thema aufgreift und das Theater bereichert.
Miriam Ossa


Fürstenfeldbrucker SZ vom 27.01.2011:

Dialoge wie Maschinengewehrsalven
Philipp Jeschecks Bonnie-und-Clyde-Inszenierung an der Neuen Bühne Bruck ist eine ebenso kluge wie amüsante Kapitalismus-Kritik

(...) Für die Neue Bühne hat der junge Münchner Regisseur Philipp Jescheck aus dem mythenbeladenen Stoff um das Gaunerpärchen Bonnie und Clyde, das in den 1930er Jahren raubend und mordend durch die USA gezogen ist, eine ebenso amüsante wie kluge Kapitalismuskritik gemacht, die im Jetzt und Heute und - sehr zum Vergnügen des Proemierenpublikums - auch noch mitten in Fürstenfeldbruck spielt. (...) Ziemlich schnell wird allerdings auch klar, dass das Ganze unweigerlich auf eine Katastrophe zusteuern muss. Bis es soweit ist, lässt Jescheck sein durchgeknalltes Personal aber erst einmal die Triumphe auskosten. Die Nachrichtensendungen berichten in aller Ausführlichkeit von den Überfällen der Barrow-Bande, die sich - da greift der Mythos - auch noch der Zuneigung der Bevölkerung sicher sein darf. Der Staat spricht von der mächtigsten Finanzkrise und Bonnies Facebook-Seite verzeichnet jeden Tag 1000 Klicks mehr. Vor allem Clyde, der Anführer, hat früh erkannt, worauf es ankommt: "Widerstand muss sexy sein", sagt er, "sonst kauft's die Bildzeitung nicht."
Es sind die grandiosen Regie-Einfälle von Philipp Jescheck, die das Stück an der Neuen Bühne zu einem atemberaubenden Parforce-Ritt machen. Die prägnanten Dialoge kommen wie Salven aus einem Maschinengewehr daher, der Überfall auf die Sparkasse in Fürstenfeldbruck ist mit verwackelter Handkamera gefilmt worden und als Fluchtauto dienen zwei abgewetzte Ledersofas (...) Und weil sich Bonnie, Clyde, Blanche und Buck offenbar sehr viel aus ihren gelungenen Coups, aber sehr wenig aus der erbeuteten Kohle machen, lassen sie die Scheine gleich bündelweise auf das Theaterpublikum regnen, was zu spontanem Applaus führt. So einfach ist er eben gestrickt, der Mensch, man muss ihm nur genügend Geld vor die Füße werfen.(...)
Bei seiner Inszenierung kann sich Philipp Jescheck auf vier großartige junge Schauspieler stützen, die mit einigen Gesangseinlagen auch noch ihre Doppelbegabung beweisen. Musikalisch eingerichtet hat das Stück Andreas Harwath, der zuletzt häufig auf der Bühne zu sehen war. Er hat sich für Musik von Johnny Cash entschieden und ein eigenes Stück dazu komponiert. Entstanden ist so eine fabelhafte Off-Theaterproduktion.
Peter Schelling

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