Neue Bhne Bruck
Loriot - Abgezapft und originalverkorkst
Bekanntes und weniger Bekanntes vom Meister des feinsinnigen Humors!
(Premiere: Oktober 2010)

„Loriot – Abgezapft und originalverkorkst“ bietet geschmackvolle Dramen im Rahmen eines gepflegten Theaterabends, der schon durch seine gefällige Form besticht. Die übersichtliche Darstellung ist dem biologischen Rhythmus von Menschen, Möpsen und weißen Mäusen angepasst. Mit lapidarer Wucht, ohne unnötigen Wortballast entwickelt sich der Sachverhalt und bleibt doch anschaulich in jeder Phase des packenden Geschehens. Bewegende Worte zu freudigen Ereignissen – geräuscharm, hautfreundlich, völlig zweckfrei und, gegen Aufpreis, auch entnehmbar.

mit Walter Cordier, Andreas Harwath, Gerhard Jilka, Ellen Kiessling-Kretz und Kerstin Krefft

Regie: Veronika Wolff

Bühnenfotos: Herbert Thiess



Fürstenfeldbrucker SZ vom 21.10.2010:

Die gelbe Plastikente ist allgegenwärtig beim Loriot-Abend an der Neuen Bühne Bruck. Sie ziert das Bühnenbild mal an dieser und mal an jener Stelle. Aber wo bleiben bloß die Herren Müller-Lüdenscheid und Dr. Kloebner, zwei der bekanntesten Geschöpfe des Humor-Großmeisters Vicco von Bülow, die sich in der Badewanne eines Hotels einen der skurrilsten Dialoge der deutschen Fernsehgeschichte geliefert haben. Nun, die werden schon noch kommen, denkt der Loriot-Kenner, und lässt die Schauspieler erst mal machen.
Was die da machen, könnte dann kurzweiliger und amüsanter nicht sein. Aus einer Unmenge von Sketchen, die Loriots Gesamtwerk umfassen hat Kerstin Krefft 18 Szenen „abgezapft und originalverkorkst“ sowie eine 19. als Rahmenhandlung drumrumgelegt. Dabei hat sie nicht wahllos in die große Loriot-Schatzkiste gegriffen, sondern genau darauf geachtet, dass die einzelnen Stücke in einer engen Beziehung zueinander stehen. Verbindendes Element ist das Fernsehen, ein Medium, für das Loriot so subversiv tätig war, wie kein Humorist vor und nach ihm. Die Münchner Regisseurin Veronika Wolff hat den Abend an der Neuen Bühne mit fünf Schauspielern behutsam in Szene gesetzt.
Loriot auf die Bühne zu bringen, ist zweifellos kein leichtes Unterfangen. Der in Brandenburg aufgewachsene von Bülow hat seine kleinen Stücke mit preußischer Perfektion und geradezu manischer Detailversessenheit zu Papier gebracht – und mit genau dieser Pingeligkeit wollen sie auch gespielt werden. Den Schauspielern der Neuen Bühne gelingt das auf wunderbar leichte Weise. Mit trockenem Humor und sparsamer Gestik mimen Ellen Kiessling-Kretz und Walter Cordier jenes Ehepaar, das nach einem vermurksten Fernsehabend, einem Anzugkauf beim Herrenausstatter, der nervtötenden Debatte über die Kochdauer eines Frühstückseis und dem Besuch einer Eheberatung unter dem Strich nur zu einer Wahrheit gelangen kann, nämlich dass Männer und Frauen einfach nicht zusammen passen. Oder wie es der Ehemann in dem Feierabend-Sketch ausdrückt: „Ich bringe sie um, eines Tages bringe ich sie um.“ Oder wie es seine Gattin auf den Punkt bringt: „Mein Gott, was sind Männer primitiv.“
Kerstin Krefft, die schon lange vor hatte, Loriot zu spielen, glänzt in der Rolle der Fernsehansagerin, die über die zungenbrecherischen Namen Gwyneth Molesworth, Lady Hesketh-Fortescue und Nether Addlethorpe stolpert, ohne dabei die Contenance zu verlieren. Krefft sitzt zusammen mit Andreas Harwath in einem engen Pappkarton, um sich mit ihm über die Vorzüge des Schutzbunkers K2000 zu unterhalten und fordert den berühmten Horrordarsteller Vic Dorn im Interview peinlicherweise auf, wenigstens einmal seine hässliche Maske abzulegen, was der überhaupt nicht verstehen kann. An einem Loriotschen Fernsehabend darf dann natürlich auch Professor Grzimek - dargestellt von Gerhard Jilka – nicht fehlen, der sich um den Fortbestand der Steinlaus sorgt. Am Ende versammeln sich alle Fünf noch einmal in der Sitzecke des Fernseh-Studios, um über „Des Ernstes Kunst“ zu diskutieren. Aber die Herren Müller-Lüdenscheid und Dr. Kloebner sind bis dato noch immer nicht erschienen. „Die haben“, sagt die Regisseurin Veronika Wolff, „einfach nicht ins Konzept gepasst.“ Ach!
Peter Schelling


Fürstenfeldbrucker Tagblatt vom 18.10.10:

(...)"Loriot - Abgezapft und originalverkorkst" heißt das neue Programm, in dem fünf wunderbar passende Darsteller ausgewählte Loriot-Szenen wünschenswert trocken auf die Bühne bringen.
Wer kennt Loriot nicht? Viele sind mit seinen treffenden Sketchen über die Wirrungen zwischenmenschlicher Beziehungen, über menschliche Schwächen und die vermeintlich würdevolle Art sie zu kaschieren aufgewachsen - und haben sich dabei regelrecht in Loriots trockenen Humor verliebt. Entsprechend gut besucht ist die Premiere. Nicht nur das Publikum, auch Intendant Harald Molocher ist zufrieden mit Kerstin Kreffts Dramaturgie und Veronika Wolffs Inszenierung: "Schon vor fünf Jahren hatte ich die Idee eines Loriot-Abends, doch leider hatte ich nicht die geeigneten Darsteller zusammen."
Das Warten hat sich gelohnt. Der rote Faden des Programms, das ausschließlich aus Loriot-Nummern besteht, ist das Stück "Der Maskenbildner", dessen einzelne Sequenzen zwischen Umbau und der nächsten Szene als vermittelnde Überleitung dienen.(...)
Ohnehin ist das Fernsehen Hauptthema des Abends. Neben unbekannteren sind viele bekannte Sketche zu sehen, wie "Der Kunstpfeifer", "Die Heimoperation" und "Die Steinlaus", den TV-Zoologen spielt Gerhard Jilka. Häufig steht links auf der Bühne ein Pult und dahinter prangt das Logo der jeweiligen Sendung. Das Interview, das Krefft als Reporterin Bergner mit dem K2000-Direktor Dr. Rosenheim (Andreas Harwath) führt, ist in einem Pappkarton als K2000-Bunker beinahe noch schöner in Szene gesetzt als im Original: "Nicht eng, Frau Bergner, sondern kompakt!"
Zudem gibt es ein paar Klassiker - meist rechts auf der Bühne in einer Sitzecke - zum Thema Ehe, die von Kießling-Kretz und Cordier erstklassig nüchtern und würdevoll gespielt werden. Sie geben "Das Frühstücksei", "Eheberatung" oder "Feierabend"(...).
Miriam Ossa

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