Neue Bhne Bruck
Creeps
von Lutz Hübner
(Premiere: April 2010)

Raus aus dem grauen Alltag, rein in die Glitzerwelt der Stars: Für Lilly, Petra und Maren ist dieses Ziel zum Greifen nah. Ein angesagter Musiksender sucht eine Moderatorin für „Creeps“, die neue Trend-Fashion-Music-Show, und die drei Mädchen stehen im Finale des Castings. Jetzt müssen sie vor einer Testkamera zeigen, was sie drauf haben. Da heißt es Ellenbogen ausfahren und ab durch die Mitte!

Angeheizt von einer gesichtslosen Stimme aus dem Off verwandelt sich das Fernsehstudio in eine Kampfarena. Ring frei für einen wahnwitzig-absurden Seelenstriptease, bei dem die Mädchen all ihre Geheimnisse offenbaren. In der Großaufnahme wird selbst das Privateste öffentlich und keine Träne bleibt im gleißenden Scheinwerferlicht unentdeckt.

Doch wird das am Ende reichen? Auch hinter den Kulissen schlummert noch das ein oder andere Geheimnis...

mit Caroline Drexl, Johanna Plappert und Valerie Rall

Regie: Tina Hoffmann



Fürstenfeldbrucker SZ vom 26.4.2010

Überzeugender Seelenstriptease

Drei Rasso-Schülerinnen bieten in "Creeps" mitreißende Unterhaltung mit Tiefgang

Ein Raum. Drei Mädchen. Eine Handvoll Requisiten. Das ist alles, was den Zuschauer bei der Inszenierung von Lutz Hübners Stück "Creeps" der Neuen Bühne Bruck, das am Freitag Premiere feierte, erwartet. Noch dazu sind die Schauspielerinnen keine erfahrenen Charakterdarstellerinnen, sondern Schülerinnen des Graf-Rasso-Gymnasiums in Fürstenfeldbruck. Was den Zuschauern geboten wird, ist mitreißende Unterhaltung, die keine Sekunde langweilt und trotzdem eine Botschaft mit Tiefgang vermittelt.
Es ist mutig, drei jungen Schauspielerinnen, die bislang nur beim Improvisationstheater der Schule mitgewirkt haben, ein abendfüllendes Stück anzuvertrauen, das auf große Effekte, Szenenwechsel und ein aufwendiges Bühnenbild verzichtet. Es ist aber auch authentisch, wenn Teenager nicht - wie es in großen Inszenierungen und in der Filmindustrie gängige Praxis ist - von Frauen gespielt werden, die ganz offensichtlich schon auf die 30 zugehen. Die Risikobereitschaft lohnt sich: Den Schülerinnen gelingt es, die Aufmerksamkeit von Anfang an auf sich zu ziehen und bis zum Ende nicht aus der Hand zu geben. Glaubwürdig legen sie als überehrgeizige Castingteilnehmerinnen auf der Bühne einen Seelenstriptease hin, der nicht nur die hässlichen Seiten ihrer Figuren, sondern der Showbranche überhaupt offenbart. (...)
Da ist die schüchterne Maren, gespielt von Valerie Rall, die mit ihrer verklemmten Art die Lust am Fremdschämen bedient. Oder die gutgläubige Petra aus Chemnitz, der Johanna Plappert durch ausdrucksstarke Mimik Tiefe verleiht. Eine übertraf sie noch: In der Rolle des reichen It-Girls Lilly erwies Caroline Drexl ihr enormes schauspielerisches Potenzial. Mit Verve, Grazie und Arroganz setzte sie ihre Figur in Szene.
Geleitet wird das Casting von einer männlichen Stimme aus dem Off, die die Mädchen wie Marionetten in einem entarteten Theater erscheinen lässt. Der Strippenzieher verkörpert körperlos den Geist der Showbranche. Er überschüttet die Kandidatinnen mit heuchlerischem Lob, straft sie mit eiskalter Verachtung und gibt im Minutentakt ein anglizistisches Kauderwelsch von sich. Kurz: Für einen Abend können die Zuschauer die Medienwelt durch ihn hassen, bevor sie sich wieder vor ihren Fernseher setzen und vom schönen Schein, der letztlich auch in den anspruchvollsten Produktionen steckt, blenden lassen.



Fürstenfeldbrucker Tagblatt vom 28.4.2010

Menschenmaterial für die Fernsehshow

Eine für Jung und Alt sehenswerte Mediensatire ist derzeit an der Neuen Bühne Bruck zu erleben. Drei Jungtalente überzeugen in einer mitreißenden Inszenierung von Lutz Hübners "Creeps".

Es ist schwierig, die echten TV-Casting-Sendungen in puncto Erniedrigungen der Kandidaten zu überbieten. Lutz Hübner, einer der meistgespielten Autoren der Gegenwart, zeigt bissig und treffend in "Creeps", wie unverfroren junge Menschen als Ware behandelt werden, aber auch wie unter widrigsten Umständen sich Menschlichkeit ihre Bahn bricht.
(...) Die Zehntklässlerinnen spielen ihre Rollen mit großer Überzeugungskraft. Trotz der Leichtigkeit ahnt man die Arbeit dahinter.
"Sechs Wochen lang haben wir vier Mal in der Woche geprobt, immer nach Schulschluss um 17 Uhr", erzählt Tina Hoffmann, die selbst mehrfach als Schauspielerin auf der Neuen Bühne brillierte, nun aber erstmalig Regie führte. Und das sehr gekonnt, denn die Inszenierung hat es in sich: Schnelle Wechsel zwischen Show und Unterhaltungen der Konkurrentinnen, Gefühlsausbrüche aller Art und sogar eine ausgewachsene Prügelei werden mal mit Spannung, mal mit Humor auf die Bühne gebracht. Hier lebt das zeitgenössische Theater - und das sieht man auch den begeisterten Reaktionen des Publikums.
Miriam Ossa

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