Neue Bhne Bruck
The Black Rider - The Casting of the Magic Bullets
von Robert Wilson, William S. Burroughs und Tom Waits
(Premiere: Februar 2010)

Das Kult-Musical jetzt an der Neuen Bühne Bruck!



Die Volkssage vom Schwarzen Reiter, bekannt aus Carl Maria von Webers Oper „Der Freischütz“, inspirierte Pop-Idol Tom Waits, Robert Wilson und William S. Burroughs zu einem Musical, das mit unorthodoxen Texten, schwärzester Dämonie und gefühlvollen Balladen begeistert.

Die Handlung: Der jagdunkundige Schreiber Wilhelm muss traditionell den Probeschuss wagen, um die Försterei zu erben und Käthchen, die Tochter des Försters, zur Frau nehmen zu können. Der Teufel verspricht Wilhelm "Freikugeln", die jedes gewünschte Ziel treffen. Doch er fordert seinen Tribut: Der siebte Schuss wird unweigerlich vom Teufel selbst gelenkt.

Die Songs von Tom Waits sorgen für eine düster-dämonische Atmosphäre. Die eigenwillige Mischung aus schrägem Varieté und wunderschönen, rauchigen Melodien macht das Musical zu einem Reigen absurder Gestalten.

mit Philipp Eichler, Svenja Fischer, Sabine Hannig, Andreas Harwath, Tina Hoffmann, Cornelia Kappenschneider, Patrick Meier, Harald Molocher und Michael Nestler

Regie: Philipp Jescheck

Musikalische Leitung: Andreas Harwath

Assistenz: Judith Gebele

Bühnenfotos: Herbert Thiess



Brucker SZ vom 9.2.10:

Marionetten des Teufels

Der Neuen Bühne ist mit dem Musical „The Black Rider“ ein großer Wurf gelungen

(…) „The Black Rider“, die Musical-Adaption der Volkssage vom Freischütz, feierte am Freitag in der Neuen Bühne Bruck Premiere – und mit seiner Interpretation des düsteren, facettenreichen Stücks von Robert Wilson, Autor William S. Burroughs und der grandiosen Musik von Tom Waits ist der Bühne ein richtig großer Wurf gelungen. Gnadenlos überspitzt wird die ganz und gar unromantische Landidylle skizziert, in der sich der Mann ausschließlich durch seine Kunst im Umgang mit dem Gewehr auszeichnet und die Frau zuhause auf ihn wartet. Denn: „Wer denkt, ist kein Mann.“ Oder: „Der Mann im Wald, die Frau daheim. So soll es sein.“
Dass der intelligente, aber an der Waffe gänzlich unfähige Schreiber Wilhelm es in dieser Welt schwer hat, die Gunst des Schwiegervaters in spe zu erobern, ist nur allzu verständlich. Im urigen Wilderer Robert (Philipp Eichler) erwächst ihm zwar dümmliche, aber treffsichere Konkurrenz. Dass sich Wilhelm derart in Bedrängnis wähnt, weiß der Stelzfuß auszunutzen; er ist es, der bis auf wenige Momente die gesamte Szenerie im Griff hat – so charakterisiert Regisseur Philipp Jescheck die Försterfamilie als Marionetten, die sich an imaginären Fäden bewegen. An sich keine gänzlich neue Idee, aber überragend inszeniert und in Szene gesetzt. Die sich durch das gesamte Stück ziehende Deutsch-Englisch-Mixtur, ein potentieller Störfaktor, nervt selbst nach eineinhalb Stunden noch kein bisschen und nimmt der Geschichte nichts von ihrer Stringenz. Herausragend auch die musikalische Begleitung von Andreas Harwath, Michael Nestler und Cornelia Kappenschneider. Mit viel Sinn für die Details wird gerade durch die perfekt passenden akustischen Effekte immer wieder das i-Tüpfelchen auf die gesangliche und schauspielerische Leistung der Akteure gesetzt. Bei diesen weiß gerade die Mischung aus NBB-Neulingen wie Svenja Fischer oder Philipp Eicher auf der einen und Ensemble-Routiniers wie Sabine Hannig sowie Theaterleiter Harald Molocher zu überzeugen. Den größten Applaus vom begeisterten Premieren-Publikum erntete jedoch Tina Hoffmann, die in der Rolle des Käthchens einmal mehr ihr enormes Potential ausschöpft.
Dominik Weiss



Fürstenfeldbrucker Tagblatt vom 9.2.10:

Schaurig-schönes Höllenspektakel

Komödienstadel im Drogenrausch, burleskes Mysterienspiel gemixt mit Augsburger Puppenkiste, das Ganze unterlegt mit herrlich schrägen Songs und herzzereißenden Balladen von Tom Waits: "The Black Rider" an der Neuen Bühne Bruck ist ein grandioses, schaurig-schönes Spektakel.

Regisseur Philipp Jeschek hat die skurrile Musical-Adaption der Freischütz-Sage von Robert Wilson, William S. Burroughs und Tom Waits in unseren Breiten angesiedelt. Die Bühne ist eine Bauernstube, der Förster trägt Lederhose und Janker, Gattin und Töchterchen Dirndl. Wie im Komödienstadel sind die Rollen verteilt. Der Förster ist der Herr im Haus. Aber warum steckt er sich ein Hirschgeweih als Phallus in den Hosenbund? Und im Komödienstadel bückt sich doch die Frau nicht brav, wenn’s dem Gatten gerade nach Koitus ist. Statt biederem Bauerntheater ist grotesk überzeichneter Slapstick zu sehen, statt bayrisch werden verspielt-derbe Reime im Deutsch-englisch-Mix gesprochen. Die Gesichter der Figuren sind geschminkt wie im Varieté, weiß mit roten Apfelbäckchen. Und die Akteure trippeln und stampfen hölzern wie in der Augsburger Puppenkiste über die Bühne. Es ist nicht zu übersehen: Hier zieht jemand die Fäden. Wie Marionetten hat die schwarze Gestalt, die mit bleichem Gesicht, schwarzem Hut und Mantel im Nebel umherschleicht, sie alle in der Hand. Er ist der „Stelzfuß“, der sie alle ins Verderben führt.
Sabine Hannig verleiht dem diabolischen Strippenzieher in der Brucker Inszenierung des Kult-Musicals jede Menge Sex-Appeal. Beinfrei stelzt sie auf schwarzen Stilettos umher, mit kehliger Stimme singt sie – so grandios wie die anderen Schauspieler ihre Parts meistern – die teuflischen Songs des Black Rider. Von ihr lässt sich der Schreiber und Möchtegern-Meisterschütze Wilhelm (Patrick Meier) nur allzu gern auf den falschen Weg locken.
(…) So großartig wie die Schauspieler sind auch die Musiker. Andreas Harwath und seine als Varieté-Künstler kostümierte Truppe intonieren die schräg-schönen Waits-Songs mitreißend. Mit knarzenden Bass-Saiten, Flötengezwitscher und Windgeheul erzeugen sie dazu noch bedrohliche Wald-Atmosphäre. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, dass auch der Spaß nicht zu kurz kommt.
Marion Bischof

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