Neue Bhne Bruck
Der nackte Wahnsinn
von Michael Frayn
(Premiere: Oktober 2009)

„Ich fange an zu begreifen, wie Gott zumute war, als er da unten im Dunkeln saß und versuchte, die Welt zu erschaffen. Er war froh, dass er sein Valium genommen hatte.“

Regisseur Lloyd Dallas ist mit seinen Nerven am Ende. Es ist bereits kurz nach Mitternacht, und die Generalprobe der Komödie „Nackte Tatsachen“ läuft völlig aus dem Ruder. Der Text hakt, die Türen klemmen, die Requisiten stehen nie da, wo man sie braucht. Und das ist erst der Anfang, denn das Ensemble geht mit dem Werk auf Tournee. Eine heruntergekommene Provinztruppe spielt um ihr Leben und beginnt meist mit etwas Verspätung.

„Darum geht’s. Die Türen und die Sardinen. Auftritte, Abgänge. Sardinen rein, Sardinen raus. Das ist Farce. Das ist Theater. Das ist Leben.“

mit Walter Cordier, Judith Gebele, Sabine Hannig, Gerhard Jilka, Ellen Kiessling-Kretz, Roman Pauli, Tobias Saatze, Alexander Schmiedel und Maike Specht

Regie: Veronika Wolff
Bühnenbild: Walter Cordier
Assistenz: Dorothee Lambert

Bühnenfotos: Herbert Thiess



Fürstenfeldbrucker Tagblatt online, 19.10.2009:

Witzige Dramen auf und hinter der Bühne

Es ist der Albtraum eines Regisseurs: Das Theaterstück entgleitet der Kontrolle. Diesen Albtraum sowohl vor als auch hinter der Bühne auf die Bühne zu bringen, ist dem Ensemble der Neuen Bühne Bruck mit der Boulevardkomödie "Der nackte Wahnsinn" vortrefflich gelungen.(…) Schweißgebadet sausen die Akteure mal hinter der Bühne, mal vor der Bühne herum. Man staunt zwischen Zwerchfellkrämpfen über körperliche Kondition und geistige Flexibilität der Akteure. Das Chaos wird noch gesteigert. Ebenso wird die Darstellungsleistung der Brucker Schauspieler noch gewaltiger.(…)


Fürstenfeldbrucker SZ vom 20.10.2009:

Wohin bloß mit den Sardinen?

Retten, was nicht mehr zu retten ist

Die Neue Bühne Bruck spielt Michael Frayns Kultstück "Der nackte Wahnsinn" zum Brüllen komisch

Soll Dotty (gespielt von Ellen Kießling-Kretz) die Sardinen mit in das Arbeitszimmer nehmen? Oder lieber neben dem Telefon stehen lassen? Fragen, die den Schauspielern eines englischen Provinztheaters schwer zu schaffen machen. Klar, es gibt ein Script. Aber ist das auch alles logisch, was da steht? Und wird das Publikum die Handlung wirklich verstehen? Regisseur Lloyd (Roman Pauli), angesichts der nahenden Premiere zunehmend verzweifelt, versucht der verunsicherten Dilettantentruppe Stunden vor dem großen Ereignis den letzten Schliff zu verpassen - oder besser gesagt: zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Denn sein Team gleicht eher einer Selbsthilfe- denn einer Theatergruppe: Selsdon (Walter Cordier) soll einen Einbrecher spielen, ist aber ein Trinker, der nur mit vereinten Kräften von der Flasche abgehalten werden kann. Freddie (Gerhard Jilka) bekommt bei jedem Anflug von Gewalt schon aus Solidarität Nasenbluten und Brooke (Sabine Hannig) wühlt das ganze Durcheinander so auf, dass sie ständig "ihre Übungen machen" muss. Klingt nach einem Stück aus der Abteilung "zuviel des Guten"? Ist es aber nicht!
Wie die ganz realen Darsteller der Neuen Bühne Bruck Michael Frayns Farce "Der nackte Wahnsinn" (Originaltitel aus dem Jahr 1982: "Noises off") interpretieren, ist statt dessen ganz große Klasse. Herausragend ist insbesondere das Timing, das die Akteure unter der Leitung von Regisseurin Veronika Wolff an den Tag legen müssen. Richtige und absichtlich falsche Handgriffe, passender und verpasster Einsatz von Selsdon & Co. greifen punktgenau ineinander, die witzige Originalvorlage und das aufwendige Bühnenbild tun ein Übriges.
Schwungvoll von der ersten Sekunde an, legt das Stück im Verlauf noch deutlich an Tempo zu. Die Perspektive schwenkt dabei mehrfach von der Bühne hinter die Kulissen des Provinztheaters - und dort gibt es eine Menge zu sehen. Allen voran sorgen Lloyds Affären und Selsdons Alkoholprobleme immer wieder für Turbulenzen. Und auch wer einmal gedacht hat, eine Dreiecksbeziehung wäre bereits die komplizierteste aller Konstellationen, wird eines Besseren belehrt.
So bleibt "Der nackte Wahnsinn" über die gesamte Spielzeit extrem kurzweilig und zum Brüllen komisch. Als Teil der "Theater im Theater"-Reihe zum 25jährigen Bestehen der Neuen Bühne erfüllt das Stück so seinen Zweck - den humorvollen Blick hinter die Theaterkulissen - im besten Sinne. Erfreulich ist zudem, dass man sich auch um den Nachwuchs an der Neuen Bühne keine Sorgen machen muss, sind doch mit Tobias Saatze in der Rolle des übernächtigten Inspizienten Tim und Judith Gebele als tollpatschige Assistentin Poppy wieder zwei überzeugende Talente mit auf der Bühne.
Dominik Weiss

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