Neue Bhne Bruck
Lampenfieber oder Der Faust im Nacken
Eine szenische Lesung
(Premiere: September 2009)



Ein Abend über das Theater im Theater. Warum man ein Stück nicht einfach so spielen kann, wie es ist, warum Tragik heute kaum noch tragbar ist, und warum es von hinten manchmal komischer ist als von vorn.

Ein Abend über Intendanten, die schon viel erlebt haben, aber sowas noch nicht. Ein Abend über Regisseure, die das Extrem suchen und Kette rauchen. Ein Abend über Schauspieler, die das Branchenverzeichnis von Remscheid so ergreifend wie Othello spielen und solche, bei denen es umgekehrt ist. Ein Abend über Autoren, denen eine Dimension in der Inszenierung fehlt und Kritiker, die es besser gekonnt hätten.

Kurzum: Eine ganz besondere Liebeserklärung an die Bretter, die die Welt bedeuten.

mit Sonja Heringer, Kerstin Krefft, Tobias Marzin und Harald Molocher

Klavier: Thomas Greiner-Mai



Fürstenfeldbrucker Tagblatt vom 30.9.2009

Perverse Spielleiter und Bühnenstars

Mit der szenischen Lesung "Lampenfieber oder Der Faust im Nacken" sorgte die Neue Bühne Bruck für einen vergnüglichen Theaterabend.

Theatermacher haben es schwer. Besonders in der Provinz. Regie-Neue treffen auf Diven, Jungschauspielerinnen auf perverse Spielleiter, Zuschauer knistern mit der Chipstüte, und das Budget wird von Ignoranten zugeteilt. Kerstin Krefft, Sonja Heringer, Tobias Marzin und Harald Molocher sorgten mit grotesk überhöhten Situationen, pseudo-intellektuell schwafelnden Figuren und witzigen Texten für nichts als Vergnügen. Ihr ironischer Blick hinter die Kulissen bereitete den Akteuren ebensoviel Spaß wie dem Publikum.
Schauspieler und Regisseur: Das bedeutet nicht Teamwork, sondern ist die "Zusammenarbeit von zwei natürlichen Feinden". Krefft und Molocher verkörperten das (Alp)-Traumgespann in unterschiedlichen Kombinationen. Wenn die ambitionierte Gretchen-Darstellerin an den Typus Schmerzensmann gerät, muss sie "fleischlich denken" und den Schmerz in jedem Satz herausarbeiten. "Egal, wirf dich doch mal auf den Boden und wälz dich ein bisschen rum", lautet die universelle Regieanweisung. Noch schlimmer wird es beim Freudianer. Der sitzt halbnackt im Regiesessel und fragt ungeniert nach sexuellen Vorlieben. Und die Diva erklärt dem Nachwuchsregisseur, wie er seinen Job machen soll und degradiert ihn zum Aschenbecherhalter.
Auch außerhalb des Theaters haben es Schauspieler nicht leicht. Eigentlich wollen sie alle als Mephisto oder Hamlet auf den Brettern stehen. Stattdessen plärren sie als Synchronsprecher für einen miesen Western Sätze wie "Jag ihm ne Ladung rostiges Blei in den krätzigen Arsch" oder "Johnny, was auch geschieht, bleibe stolz!" ins Mikrofon. Und das mindestens zehn Mal hintereinander, bis die Aufnahme sitzt. Und verfeindet ist sowieso jeder mit jedem.
Marion Bischof


Fürstenfeldbrucker SZ vom 1.10.2009

Eitelkeiten und andere Neurosen

"Es ist so schwül, so dumpfig hie/ Und ist doch eben so warm nicht drauß." So und nicht anders hat sich der junge, unbekannte Autor Johann W. Goethe den Bühnentext in seinem "Faust" vorgestellt, und was machen die Theaterleute draus? "Es ist scheißheiß hier" lassen sie Gretchen sagen, weil das Stück von viereinhalb Stunden auf zwei Stunden zusammengestaucht werden muss. Da fragt man sich als Autor natürlich schon, "ob Tragik heute überhaupt noch trägt".
Die berühmte Kästchenszene in Goethes "Faust" ist der Ausgangspunkt einer szenischen Lesung, mit der die Neue Bühne Bruck am vergangenen Wochenende die Spielzeit eröffnet hat. In "Lampenfieber oder Der Faust im Nacken" läßt das Theater tief in sein Innenleben blicken, in dem die Eitelkeiten, Eifersüchteleien und andere Neurosen nur so blühen. Da sieht man durchgeknallte Regisseure, die junge Schauspielerinnen zur Minna machen oder sich über nichts anderes als deren sexuelle Vorlieben unterhalten wollen. Beleidigte Autoren, die sich immerzu unverstanden fühlen. Zickige Schauspiel-Absolventinnen, die den Erfolg einer Kollegin nur auf deren "große Titten" zurückführen. Und schusselige Theaterbesucher, die mit der Chipstüte in der Hand über die Sitzreihen klettern und dabei im Schritt hängenbleiben. Kerstin Krefft, die selbst hinreißend spielt, hat das Stück geschrieben und dabei lustvoll in fremden Revieren gewildert (...) Dabei herausgekommen ist eine wunderbare Textcollage mit Szenen, wie sie sich wohl an jedem Theater abspielen könnten - hinter der Kulisse, versteht sich. Und so ganz nebenbei bekommen auch noch die Kritiker ihr Fett weg, diese Eunuchen, die eh alles besser gekonnt hätten.
Auch die herrschende Kulturpolitik bleibt nicht verschont, wenn etwa der Intendant Stegmüller (fast wie im richtigen Leben dargestellt von Harald Molocher) von einer ignoranten Stadtkämmererin aufgefordert wird zu sparen, den Ballettsaal für Betriebsfeiern zu öffnen und zur Eröffnung der nächsten Camping-Messe ein Stück zu spielen, "was Leichtes, kann auch frech sein, aber im Rahmen, gell". Dem sichtlich angefressenen Stegmüller fällt auch gleich was ein: "Wallensteins Lager", sagt er, "da wird auch viel gezeltet". Neben Molocher und Krefft sorgen Sonja Heringer und Tobias Marzin, begleitet von Thomas Greiner-Mai am Klavier, für einen äußerst vergnüglichen Theaterabend.
Peter Schelling

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