Neue Bhne Bruck
Dreier
von Jens Roselt
(Premiere: Februar 2009)

Die klassische Dreieckskonstellation: Eine Frau betrügt ihren Mann. Mit seinem besten Freund. Und plötzlich steht der gehörnte Gatte in der Tür.

Damit wären eigentlich die Weichen für ein Beziehungsdrama gestellt – würden die Beteiligten die dafür notwendigen Gefühle wie Liebe, Hass, Eifersucht oder Freundschaft zeigen. Doch davon ist man hier meilenweit entfernt. Statt dessen versteckt man sich hinter einer Fassade von Zynismus und Ironie, keiner will Position beziehen oder sich gar eine Blöße geben. Und somit entwickelt sich statt des erwarteten Melodrams der großen Gefühle eine tragikomische Farce mit unerwartet radikalem Ausgang...

Ein Stück mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor, das boshafte Einblicke in die blasse Gefühlswelt einer städtischen Mittelschicht gewährt.

mit Christoph Schütte, Maike Specht und Markus Sternagel
Regie: Matthias Eberth



Fürstenfeldbrucker SZ vom 14.2.2009:

Psychokampf mit Tiefschlägen
Matthias Eberth inszeniert „Dreier“ von Jens Roselt / Souveräne Schauspieler

Ende böse, alles böse – eine Boulevardkomödie der ganz anderen Art bietet die Neue Bühne Bruck mit ihrer aktuellen Produktion „Dreier“. Das schnelle, witzige und intelligente Stück von Jens Roselt mit einem überzeugenden Schauspieler-Trio hatte gestern Abend Premiere.

Die Situation ist prekär: Ehefrau und Liebhaber im Bett, es klingelt, Ehegatte steht in der Tür – der Kömödienstadl könnte beginnen. Ganz so platt schicken Autor Jens Roselt und Regisseur Matthias Eberth die drei Schauspieler dann doch nicht in den Ring: es folgen kurzweilige 80 Minuten mit Psycho-Fight und Tiefschlägen.

(…) bei Roselt gibt es viel zu lachen: Doch der Ehegatte ist nicht nur gehörnt, sondern auch ein „furchtbarer Jurist“, wenn er sich als Staatsanwalt zu gnadenlosen Strafen bekennt. Und der Lover ist nicht nur ein Looser, sondern outet sich als Zwangsneurotiker, wenn er von seiner Lust am Vergiften von Tauben berichtet. Und die Ehefrau ist schlicht ein Kotzbrocken, wenn sie von ihrer journalistischen Gier nach Sensationen erzählt.

[...] Da treffen also drei Schatzis aufeinander - und zwar in einer durchtriebenen Versuchsanordnung: Jeder will den anderen bloßstellen, demütigen, sich selbst unangreifbar machen und die Kontrolle über sich und die anderen behalten. Matthias Eberth hat diesen Fight und die drei Charaktere wunderbar herausgearbeitet. Dabei versorgt er seine Protagonisten mit scharfen Waffen: Sprachpräzision und Sprachtempo.
Schnell und schlagkräftig - das sind alle drei Schauspieler in dieser Neuinszenierung: [...] Der Staatsanwalt (Christoph Schütte) ist auch beim Aufdecken des Seitensprungs von Paragraphen gesteuert, die taffe, atemlose und spritzige Journalistin (Maike Specht) erkennt zu spät ihre Liebe zu ihrem Lover, und der Liebhaber (Markus Sternagel) sorgt für ein böses Ende - man würde ihn gern öfters in der Neuen Bühne Bruck sehen.
Ina Kuegler


Fürstenfeldbrucker Tagblatt:

Beim Dreier bleibt niemand ungeschoren

Jens Roselt, seit einem Jahr Professor für Theorie und Praxis des Theaters an der Stiftung Iniversität Hildesheim, hat mit "Dreier" eine Boulevardkomödie geschrieben, die vom Sprachwitz lebt. Die Neue Bühne Bruck brachte das erfolgreiche Stück bravourös auf die Bühne.

Das tut weh. Und das, obwohl eine abgeschmackte Dreiecksbeziehung im Vordergrund steht: Die eigene Frau treibt's mit dem besten Freund. Erwischt werden die beiden auch noch. Der fast schon kalkulierbare Schmerz verpufft auf unerklärliche Weise im Beziehungsgeflecht - denn es herrscht ein unerklärliches Maß an genau bemessener Gefühlskälte zwischen Mann, Frau und Freund.
(...) Wo geht er hin, der Schmerz der Protagonisten im "Dreier" von Autor Jens Roselt, dem In-Flagranti-Stück, das Matthias Ebert mit einfachen Mitteln und dennoch äußerst gekonnt in der Neuen Bühne Bruck inszenierte? Und was bedeutet eigentlich diese Art von Schmerz, Eifersucht oder Geltungsdrang in heutiger Zeit?
(...) Nach Kleists "Zerbrochenem Krug" und "Die Leiden des Werther" schlüpft Christoph Schütte in die Rolle des Außenseiters, dem übel mitgespielt wird, obgleich er gern im Mittelpunkt stehen und Herr des Geschehens sein will. Ob als Richter Adam im "Zerbrochnen Krug" oder diesmal als Staatsanwalt in Roselts "Dreier". Und er versucht es nicht nur, sondern Schütte, so erschüttert er auch sein mag, macht erneut das Beste daraus. Das tut er, flankiert von Maike Specht und Markus Sternagel. Und alle drei laufen dabei zur Hochform auf. Auch wenn's mal weh tut: Wieder einmal wird ausgezeichnetes Spiel in der Neuen Bühne geboten.
Angi Kiener

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