Neue Bhne Bruck
Die Präsidentinnen
Fäkaliendrama von Werner Schwab
(Premiere: März 2015)

Mich würgt es halt auch wirklich überhaupt nicht, wenn ich hinunter greife in den Abort. (Mariedl)

Da sitzen sie wieder einmal beisammen. Und diesmal wird es zur Katastrophe kommen... Die Erna, die Greta und die Mariedl – drei Frauen und Freundinnen, die sich hassen; drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten; drei Frauen, die sich selbst als Nabel der Welt sehen.

Erna ist die Sparsame, die Genügsame, die Fromme, die sich um ihren trunksüchtigen Sohn Hermann kümmern muss – eine Aufgabe, die sie hasst, die ihr aber einen Existenzgrund gibt. Dann Grete, die Lustige, die Wilde, die Frivole – die es auf die leichte Schulter nimmt, dass ihre Tochter von ihrem Exmann sexuell missbraucht wurde, und nicht einsieht, dass diese nun nichts mehr mit ihr zu tun haben will. Und die Mariedl, wohl die schrägste Gestalt in Die Präsidentinnen: eine fäkalienfixierte Mutter Maria, die tief in die Kloschüsseln der Reichen greift, um diese vom gröbsten Scheiß zu befreien.

Die Präsidentinnen ist eine bitterböse und zugleich saukomische Sprachexplosion. Bei der Uraufführung 1990 wegen seiner Derbheit und monströsen Sprache von der Kritik noch verrissen, wurde Die Präsidentinnen in den Jahren danach zum Erfolgsstück. Werner Schwab, der sich 1994 mit nur 35 Jahren zu Tode gesoffen hat, schrieb eine knallharte Abrechnung mit dem in seinen Lebenslügen gefangenen Kleinbürgertum und zeigt gleichzeitig die traurige Sehnsucht der Frustrierten und Vergessenen nach einem besseren Leben.

mit Ellen Kießling-Kretz, Friederike Peters und Bernadette Schnabl

Regie: Philipp Jescheck

Assistenz: Tim Freudensprung



Ein furioser Theaterabend

Florian J. Haamann in der Süddeutschen Zeitung vom 9.3.2015

Es ist eine herrliche und sprachgewaltige Dekonstruktion der kleinbürgerlichen Spießigkeit [...] Philipp Jescheck schafft es gemeinsam mit seinen drei Schauspielerinnen nicht nur die derbe und gleichzeitig brüllend komische Ebene zu transportieren, sondern gleichzeitig auch die Tragik der Geschichte hervorragend herauszuarbeiten [...] Herrlich der Jammer von Erna (Ellen Kießling-Kretz), wunderbar verlebt und naiv gespielt die Grete (Bernadette Schnabl), furios und beeindruckend die einfach gestrickte Klofrau Mariedl (Friederike Peters).

Es ist keine leichte Kost, die Jescheck hier präsentiert, aber ihm ist, nicht zuletzt dank der herausragenden schauspielerischen Leistungen, eine absolut intensive, wortgewaltige und schonungslose Inszenierung gelungen, die man auf keinen Fall verpassen sollte.

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