Neue Bhne Bruck
Ox und Esel
von Norbert Ebel
(Premiere: November 2014)

Ein urkomischer und bisweilen rührender Spaß und eine gar nicht respektlose Clowneske der Weihnachtsgeschichte.
(Westdeutsche Zeitung, 17.12.02)

Ox kommt nach Hause in seinen Stall - und da liegt doch tatsächlich ein kleines Häufchen Mensch in seiner Krippe. Das ist ja wohl die Höhe. Esel muss her, aber der ist eh nie da, wenn man ihn braucht. Und als er endlich kommt, wissen beide nicht, was und wohin mit dem kleinen "Matthias", der draußen von Soldaten und drei komischen Königen gesucht wird. Ein Soldat wird in die Flucht geschlagen und die beiden liebenswerten Tiere übernehmen die Elternschaft, bis die wahren Eltern, Josef und Mechthild - oder so - vom Shoppen zurück sind.

mit Tim Freudensprung und Christina Schmiedel

Regie: Harald Molocher und Andreas Harwath


Die Mär vom Familienidyll
von Valentina Finger, Süddeutsche Zeitung

[...] Das traditionelle vorweihnachtliche Kindertheaterstück an der Neuen Bühne Bruck (NBB) [kommt] gerade recht: In diesem Jahr steht unter der Regie von Andreas Harwarth und NBB-Intendant Harald Molocher die Krippenspiel-Clowneske "Ox und Esel" von Norbert Ebel auf dem Spielplan. Das Besondere daran: Dieser Kitsch ist so cool und modern und darüber hinaus so voller Anleihen aus der Gesellschaftsrealität, dass er gerade auch für die eigentliche Nicht-Zielgruppe der Erwachsenen eine herrliche Zerstreuung in der Adventsplackerei darstellt.

[...] Während Ochse und Esel als typische Stalltiere in Krippenspielen nur das Beiwerk sind und im Bibeltext nicht einmal erwähnt werden, sind sie in Norbert Ebels Stück die Protagonisten und die einzigen, die tatsächlich leibhaftig auf der Bühne zu sehen sind: Ox (Tim Freudensprung), ein Macho-Typ im zu großen Jogging-Anzug, der mit den Hörnern auf seiner Chicago-Bulls-Cap mehr wie ein Wikinger als ein Rind aussieht, und Esel (Christina Schmiedel), ein nervös Karotten knabbernder Ja-Sager, der lieber einmal mehr nachgibt als noch den Hausfrieden zu gefährden, wohnen gemeinsam in einer WG. [...]

Das Problem ist dieses Menschenkind, das da in der Krippe auf [dem] Essen liegt. [...] Was folgt, erinnert stark an das Dilemma junger Eltern, die sich plötzlich ungeplant und unvorbereitet vor der Aufgabe sehen, eine Familie zu managen. Ox will mit diesem Balg eigentlich gar nichts zu tun haben, stellt Esel gar das Ultimatum, sich zwischen ihm und dem fremden Baby zu entscheiden. Tim Freudensprung scheint sich in der Rolle des überarbeiteten Jungvaters, der bei allem Ärger ganz feuchte Augen bekommt, wenn er mal mit dem Kleinen allein ist, so wohl zu fühlen, dass man kaum glauben kann, dass "Ox und Esel" sein erstes Stück an der Neuen Bühne Bruck ist. So unangestrengt komisch wie Freudensprung die Rolle spielt, wird dies wohl auch nicht seine letzte Inszenierung sein.

Christina Schmiedel gehört dagegen zum Stamm-Ensemble der Neuen Bühne: Zuletzt war sie dort in der Titelrolle der erfolgreichen Eigenkreation der NBB "Fahr zur Hölle, Orpheus!" [...] zu sehen. Als "Esel" ist sie nicht weniger großartig, ihre improvisierte Interaktion mit den Kindern im Publikum ist ebenso amüsant wie ihre nie still stehende Mimik. [...]

Plakativ und doch raffiniert spielen Andreas Harwarth und Harald Molocher in ihrer Inszenierung mit gängigen Geschlechterklischees und der Realität hinter verklärten Familienidyllen, wie man sie nicht nur aus der Bibel kennt. Viel wichtiger ist "Ox und Esel" jedoch als hinreißend unterhaltsame Mußestunde, die den stimmungsvollen Hintergrund der Geschichte bei aller Parodie nie aus dem Auge verliert.



Spaß im etwas anderen Stall zu Bethlehem
von Sebastian Huber, Münchner Merkur

Genau das Richtige an einem Adventsnachmittag für die ganze Familie ist ein Besuch bei der Neuen Bühne Bruck. Bei "Ox und Esel" von Norbert Ebel erwartet das Publikum eine etwas andere Weihnachtsgeschichte.

Der Stall ist eine Mischung aus Wohnzimmer und Rumpelkammer. Ox - von Tim Freudensprung mit roter Baseballkappe, blauem Jogginganzug und Machogehabe gespielt - trifft auf einen ungebetenen Gast. Mitten in seinem Futtertrog liegt das Christkind. Völlig verdutzt und aufgebracht zitiert er seinen Mitbewohner Esel herbei: "Was zum Teufel hast du denn da reingelegt?" Der quirlige Esel - Christina Schmiedel im hellen Trainingsanzug und braunem mit Mähne und Ohren besetzten Käppchen stürmt in den Raum. Wie ein Wasserfall redet Esel drauf los, das Findelkind im Trog bemerkt er erst später. [...]

Szenen wie diese und der mit Wortwitz gespickte Text sorgen für viele Lacher. Aber auch die Schauspieler überzeugen. Das Duo auf der Bühne sorgt mit der überspitzten Präsentation seiner Weihnachtsgeschichte für Heiterkeit. Tim Freudensprung, der an der Neuen Bühne Bruck seine Premiere feiert, glänzt mit einer sehr guten Leistung. Allerdings ist er schon ein alter Hase im Geschäft. Schon als Elfjähriger stand er in TV-Produktionen wie "Ausgerechnet Weihnachten" mit Ulrich Noethen vor der Kamera. In "Ox und Esel" überzeugt besonders seine impulsive und machohafte Darstellung. Aber auch die quirlige und lustige Art des Esels, die Christina Schmiedel auf diese Figur überträgt, macht das Stück sehenswert.

Schön für die Kinder ist es zudem, Ox und Esel mit ihren Ratschlägen zu helfen. So verschwindet die Distanz zwischen Publikum und den Spielenden. Denn das mit der Kinderbetreuung überforderte Duo kann viele gute Ratschläge gebrauchen. [...] Mit Schere-Stein-Papier wird ermittelt, wer die Mutter sein soll. Es trifft den Macho Ox, der sich mit Nudelholz in der Hand, roter Schürze über dem Trainingsanzug und Schleifen im Horn seiner Aufgabe widmet. [...]

Das Publikum [...] bedankt sich für den heiteren Nachmittag mit viel Applaus. Die Komödie unter der Regie von Andreas Harwarth und Harald Molocher ist gelungen. Also auf zum Stall nach Bethlehem!

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